EVELYN HAMANN

( verstorben am 28. Oktober 2007 )

Zu Gast in Gehrden am 10. Februar 1996

Programm : "Frauen - gesehen von Loriot, Karl Valentin, Kurt Tucholsky und Wilhelm Busch"

 

 

Aus dem Presse-Echo :

 

Zum Literaturabend mit der Hamburger Schauspielerin, die Millionen von Zuschauern durch die Zusammenarbeit mit Loriot im Fernsehen  sowie von Kinofilmen und zahlreichen Fernsehproduktionen bekannt ist, waren 400 Besucher in die bis auf den letzten Platz besetzte Festhalle gekommen.

Ruhig und abgeklärt sitzt Evelyn Hamann zunächst als Gast  des Kulturforums der SPD Gehrden auf dem antiken Stuhl, richtet die Stehlampe und floskelt so vor sich hin. Doch schon mit den ersten Sätzen aus Liebesbriefen  von Loriot wird die Künstlerin zum Energiebündel und schlüpft nacheinander  in die Rolle der affektierten Geliebten oder einer überkorrekten Beamtin. Mal heiter, mal nachdenklich präsentiert sie Frauenbilder, die grotesker  und zynischer manchmal nicht sein können. Mit der Brille auf der Nasenspitze spielt die Komödiantin die Figuren vom Lottchen bis zur frommen Helene  mehr, als sie sie liest. Immer wieder greift ihre Geheimwaffe, der komisch-ernste Gesichtsausdruck einer verknöcherten Hausfrau. Die Sprache, Mimik und Gestik sind bis ins letzte Detail perfekt.

Evelyn Hamann trifft stets ins Schwarze, wenn sie den Grad zwischen Lachen und Weinen beschreitet und die Grotesken des Alltags noch überzieht.

Ein Höhepunkt des Abends war zweifellos "Die fromme Helene"  von Wilhelm Busch, eine Glanznummer der Schauspielerin. Nach einem gut 70-minütigem Sprechfeuerwerk hat Evelyn Hamann am Ende noch zuzulegen. Während sie die Vierzeiler herunterrasselt, scheint sie in ihrer eigenen  Spiellaune gefangen. Erst als die Bücher zugeklappt sind und der anhaltende Applaus durch den Saal hallt, zeigt sich wieder das private, natürliche  Gesicht einer außergewöhnlich sympathischen Schauspielerin.