GERT WESTPHAL

( verstorben am 10. November 2002 )

 

Zu Gast in Gehrden am 9. März  1995

Programm : "Ich hatte einst ein schönes Vaterland" Portrait des Dichters Heinrich Heine

 

 

Aus dem Presse-Echo :

 Mit einer Lesung aus den Werken  Heinrich Heines begeisterte am Donnerstagabend der Schauspieler Gert Westphal sein Publikum im Gehrdener Bürgersaal. In unnachahmlicher Weise hauchte der "König der Vorleser" durch seine Interpretationen den Texten neues Leben  ein. Ob nun ein Jüngling, ein Greis oder eine Frau in den vorgetragenen Geschichten auftauchten : Immer wieder verstand es Gert Westphal, die Personen  durch Stimme und Tonfall unaufdringlich zu charakterisieren.

Vorsichtig führte Westphal sein Publikum an den bissigen Spott und hintergründigen Witz Heines heran, der als kritischer Beobachter seine Zeit kommentierte.  Abgerundet wurde das facettenreiche Bild Heines durch die Urteile seiner Zeitgenossen sowie der späteren Interpreten von Karl Marx bis Golo Mann.

Gert Westphal ist seit Kriegsende auf allen großen deutschsprachigen Bühnen  aufgetreten. Seinen jüngsten Erfolg erntete er vor wenigen Monaten zusammen  mit Will Quadflieg im Hamburger Thalia Theater. Durch seine Rezitationen, vor allem im Hörfunk, ist er einem größeren Publikum bekannt geworden.

 

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Zu Gast in Gehrden am 17. Oktober 1997

Programm : "Eigen war mein Weg und Ziel" Der Dichter Theodor Fontane

 

Aus dem Presse-Echo :

Die Titel "König der Vorleser" und "Vorleser der Nation" trägt der 77-jährige Schauspieler und Rezitator Gert Westphal völlig zu  Recht. Was dieser Mann den rund 220 Zuhörern in der Aula des Matthias-Claudius-Gymnasiums mit seinem eineinhalbstündigen Programm über das Leben und Werk des großen  Dichters Theodor Fontane geboten hat, war das Werk eines Genius. In einer Zeit, da die Gesellschaft via TV mit einem Bombardement von fertigen und allzu oft nichts sagenden Bildern überzogen wird, steht Gert Westphal wie  ein Fels in der Brandung und liest vor.

Mit seiner schwarzen Mappe in der Linken, verhilft der gebürtige Dresdener gleichsam mit jeder Zelle seines Körpers leblosen Druckbuchstaben  zu Leben. Geschickt nutzt er das Material des Fontane-Biographen Siegfried Nürnberger, um Briefe, Verse, Reisebeschreibungen oder Balladen zu einem wunderbaren Ganzen zusammenzufügen. Während des gedämpft vorgetragenen Gesprächs eines Sterbenden mit seiner Ehefrau hält das Auditorium gleichsam  den Atem an, um am Ende der ergreifenden Szene sich geräuschvoll wieder zu entspannen.

Westphal ist Interpret, aber gleichzeitig Dirigent und Musiker,  Regisseur und Schauspieler, in der Lage, die unterschiedlichsten Stilrichtungen innerhalb eines Stückes zu verkörpern, ohne dass dabei ein Brei entstünde. Mit seiner Stimme ersetzt dieser Mann ein ganzes Orchester, das die Texte  derart dynamisch und pointiert herüberbringt, dass man sich ihrer Botschaft nicht entziehen kann: Sie geht unmittelbar unter die Haut.

Den stehenden Applaus des zutiefst dankbaren Publikums erwiderte Westphal mit der dramatischen Rezitation der Kriegsszenen um König Gustav Adolfs Tod, bei der er noch einmal zu Höchstleistungen auflief. Dem veranstaltenden  Kulturforum der SPD mit seinem Koordinator Dr. Horst Detlef Illemann ist mit dieser Veranstaltung ein absoluter Volltreffer gelungen.