HANSJÖRG FELMY

(verstorben am 24. August 2007)

 

Zu Gast in Gehrden am 27. März 1998

Programm : "Und auf einmal steht es neben dir..."  Kleist, Borchert, Ringelnatz

 

 

Aus dem Presse-Echo :

Die Gelassenheit in Person verkörpert der Schauspieler,  mehrfache Bambi- und Goldene-Kamera-Preisträger Hansjörg Felmy, während er, den Kopf in typischer Felmy-Haltung leicht geneigt und mit der Linken stützend, im Trauzimmer des Gehrdener Rathauses Auskunft über sein Leben  gibt. Nach gut 50 Jahren auf den Bühnenbrettern und vor der Kamera ist der gebürtige Berliner stolz darauf, Rentner zu sein. "Ich kann arbeiten, wenn ich es will, ich muss es aber nicht mehr. Das ist ein gutes Gefühl", sagt Felmy.

Gute Literatur und immer wieder klassische Musik, daheim und in Konzerten genossen, bilden die Hauptinteressen des Schauspielers, der in Deutschland nicht erst durch seine Rolle des "Tatort"-Kommissars Haferkamp zu den beliebtesten seines Fachs gehört. Und wenn dann mal wirklich ein gutes Drehbuch ins Haus flattert - "die Mehrzahl ist einfach dümmlich"  -, steht er auch gern mal wieder auf der Bühne, oder wie jetzt im Mai, zehn Drehtage lang vor der Kamera.

Durch seinen einstigen Schauspielerkollegen Günter Lüders  ist Hansjörg Felmy auf Joachim Ringelnatz gestoßen, den er wegen seiner "wunderbaren Poesie" liebt und neben Heinrich von Kleist und Wolfgang Borchert am liebsten rezitiert. So auch am vergangenen Freitag im ausverkauften  Bürgersaal, wo Felmy auf Einladung des Gehrdener SPD-Kulturforums gastierte. Unter den mehr als 200 Zuhörern waren auch Schüler eines Deutschkurses des Matthias-Claudius-Gymnasiums. Kaum einer der jungen Leute kannte Felmy,  aber nicht nur sie waren bereits zur Pause hellauf begeistert, wie gestenreich  und wortgewaltig dieser Mann jene Meister der deutschen Sprache in Szene setzt. Herausragend, mitreißend und gleichzeitig tief bewegend Wolfgang  Borcherts "Schischyphusch - oder der Kellner meines Onkels". Diese Geschichte der Begegnung zweier völlig verschiedener Menschen, die nur eines gemeinsam haben, nämlich denselben Sprachfehler, hätte man sich im nachhinein vielleicht eher an das Ende des Abends gewünscht. So wirkten die Gedichte Ringelnatz' nach der Pause trotz ihres doppelbödigen und tiefsinnigen Wortwitzes nach der gewaltigen Dramatik des "Schischyphusch" etwas verloren. Das Publikum dankte dem Künstler dennoch mit nicht enden wollendem Beifall.