NIKOLAUS SCHILLING

 

Zu Gast in Gehrden am 28. November 1996

Programm : "Mensch und Unmensch" Gedichte von Eugen Roth

 

 

Aus dem Presse-Echo :

Was "ein Mensch" so lässt und tut, hat der Schriftsteller Eugen Roth mit melancholischem Witz und ironischer Distanz meist auf den  Kopf getroffen. Der Schauspieler Nikolaus Schilling rezitierte auf Einladung  des SPD-Kulturforums Gedichte des 1976 verstorbenen Dichters im Gehrdener  Bürgersaal. Schilling merkte man die Begeisterung beim Vortragen an - er selbst sei "Roth-Fan", bekennt er.

Schilling ist ein Schauspieler von ganz besonderer Individualität und  Prägnanz. "Ich bin ein Chargenspieler" charakterisiert er sich selbst. Sein Metier sind skurrile Gestalten und zwielichtige Typen. Regelmäßig tritt er in mehreren deutschen Theatern auf, vorwiegend in tragikomischen Rollen, die ihm besonders liegen.

 Auch in Gehrden gab es Roth-Kenner, die manche Pointe schon  vorher wussten. Doch insgesamt, sagt Schilling, seien die Norddeutschen doch reservierter. In Süddeutschland hätten die Zuhörer vor Lachen bald unter den Bänken gelegen. Hier werde zwar gelacht und aufmerksam zugehört, doch das zurückhaltende Schmunzeln bleibe vorrangig.

In Roths Gedichten bleiben die großen Gefühle außen vor, er kümmert sich um das Unbedeutende, das Kleine, das in Spannung gerät zum Gesellschaftlich-Konventionellen. Irgendwie findet sich jeder in seinen  zeitlosen Gedichten wieder, dies macht wohl den großen Erfolg des Literaten aus. Und Schilling brilliert in der trockenen und ironischen Wiedergabe der Probleme des täglichen Zusammenlebens. Verschmitzt bezieht er das Publikum mit ein und trägt nahezu szenisch die Texte vor, so dass man meint, einen Sketch zu sehen. Doch Schilling bleibt fein humoristisch und sackt nie ins plump-kalauerhafte ab. Der aus zahlreichen Theater- und Fernsehproduktionen bekannte Schauspieler, Kabarettist und Regisseur  sorgte mit Witz und Charme für zwei Stunden lebendige Unterhaltung.