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WILL QUADFLIEG
( verstorben am 27. November 2003 )
Zu Gast in Gehrden am 3. November 1993
Programm : "Lob der Toleranz" Schiller,
Hölderlin, Lessing, Kleist, Hesse, Brecht, Borchert
Aus dem Presse-Echo :
Der Besuch des großen Schauspielers in Gehrden war eine Herausforderung für all jene, die sich im Lauschen üben wollen. Quadflieg begann mit dem 9. Brief aus Schillers "Über die Ästhetische Erziehung des Menschen". Fast zu schnell rezitierte der Schauspieler die schwierigen philosophischen Ausführungen, belohnte aber gleich darauf mit einem kleinen Scherzgedicht, das Schiller so nebenbei geschrieben haben soll, während eigentlich der "Don Carlos" entstand.
Friedrich Hölderlin liegt dem Mann mit der 60-jährigen Bühnenkarriere besonders am Herzen, gerade weil er für die Natur, die in Hölderlins Werk einen so großen Raum eingenommen hat, gar nicht mehr viel Hoffnung hat. Und schöner als mit der Ringparabel aus Lessings "Nathan der Weise" hätte Quadflieg seinen moralischen Appell gar nicht ausdrücken können. Wie eine "Bachfuge in Worten" fasste der Theatermann ein Gedicht von Hermann Hesse auf und trug es fast summend vor. Spätestens beim "Kinderkreuzzug" von Berthold Brecht hat Quadflieg jedes Herz im Publikum erreicht, soviel Mitgefühl klingt durch seine Stimme.
Das Finale aber hat Quadflieg besonders weise gewählt : Mit der "Schischyphusch" von Wolfgang Borchert hinterließ er ein Andenken, das zwar traurig, aber eben auch komisch war. "Standing Ovations" waren nach einem solchen Vortrag nur noch eine Selbstverständlichkeit.
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